Ein ungelöstes Rätsel

Kirchberg: Kornkreis-Forscher Werner Anderhub berichtet von seiner Suche Wie entstehen die grossflächigen, «Kornkreise» genannten Gebilde in Getreidefeldern Südenglands? Fragen darauf gibt es mehr als Antworten. CHRISTOPH OKLÉ KIRCHBERG. Kornkreise - Zeichen der Wandlung. Ihre Formen werden immer komplexer, ihre Entstehung bleibt rätselhaft. Sechs Sommer lang hatten ihn die wunderschönen Zeichen in der englischen Landschaft bereits in ihren Bann gezogen. Der ehemalige Sekundarlehrer Werner Anderhub hat seinen angestammten Beruf vor sechs Jahren aufgegeben, um mehr Zeit für das Studium der aussergewöhnlichen Bilder und Muster in Kornfeldern zu haben. Am Freitagabend dokumentierte er dieses Phänomen in der bis auf den letzten Platz besetzten Aula des Oberstufenschulhauses Lerchenfeld in Kirchberg mit einem Diavortrag. An Präzision zugenommen Anderhub gilt als Fachmann für das Phänomen der Kornkreise. Seine Feldstudien betreibt er in Grossbritannien und steht weltweit in Kontakt mit gleichgesinnten Forschern. Seiner Meinung nach können die «hochkomplexen, präzisen und aus Hunderten einzelner Elemente bestehenden Formationen» der Menschheit helfen, ihren Horizont zu erweitern. Wenn Werner Anderhub seine vom Flugzeug aus selbstgemachten Dias kommentiert, überhäuft er seine Zuhörerschaft nicht mit wissenschaftlichen Erklärungen über das Entstehen der grossflächigen Piktogramme, denn solche würden nach wie vor fehlen. Esoterische Botschaften verkündet er schon gar nicht. Lösungen kann er für diese rätselhaften Erscheinungen keine abgeben, höchstens seine Feststellung mitteilen, dass die grossflächigen «Zeichnungen» im Laufe der Jahre an Qualität stetig zugenommen hätten. Nähe zu historischen Stätten Habe es sich zu Beginn seiner Beobachtungen noch um Phänomene gehandelt, die einem Wirbelwind hätten zugeschrieben werden können, handle es sich bei den jeweils innert weniger Minuten entstandenen Bilder mittlerweile um geometrische Konstruktionen von grösster Präzision. Dass es sich dabei um die vielzitierten Taten von Witzbolden handle, hält er für unmöglich. Wie die Bilder entstehen, was sie bedeuten, wer deren Autoren sind, dürfte wohl noch für längere Zeit ein Geheimnis bleiben, erklärte Anderhub. Was ihn aber nachdenklich stimme, sei die Tatsache, dass die rätselhaften Bilder vielfach in der Nähe historischer Kultstätten erschienen, Stätten wie Stonehenge, die vor Jahrtausenden auch astronomische Funktionen hatten.

Aus dem Tagblatt vom 16.02.2000 © St.Galler Tagblatt