Des Teufels Nest im Kornfeld?

Diavortrag über Kornkreise: Geometrische Strukturen - die Sprache des Universums? Der Berner Sekundarlehrer Werner Anderhub berichtete im Hotel Bodan von seinen Studien im Zusammenhang mit Mustern in Kornfeldern, die seit einigen Jahrzehnten vorwiegend in England immer wieder spontan entstehen. Trudi Krieg Die Flugaufnahmen von den Kornkreisen, welche Anderhub zeigte, waren eindrücklich: Kreise, Linien, andere geometrische Figuren und Zeichnungen, teils tierähnlich, die kaum zufällig, etwa durch Wettereinfluss, entstanden sein können. Keine eindeutige Erklärung Eine eindeutige Erklärung, wie die Kornkreise entstehen, hatte Anderhub nicht. Er sieht die Erde selber als lebendigen Körper. Es gebe darauf Linien und Kraftorte, vergleichbar mit den Akupunkturpunkten und Meridianen am menschlichen Körper. Vielleicht entwickle die Erde aus sich selbst heraus Kräfte oder Informationen. Möglich wäre laut Anderhub auch, dass jemand aus dem Kosmos die Erde mit Energie auflade oder der Menschheit etwas mitteilen wolle. Die Kornkreise seien oft in unmittelbarer Nähe von keltischen Kultstätten oder in einer Linie zu finden. Südengland müsse am «Erdkörper» eine wichtige Stelle sein. Offiziell sei seit den sechziger Jahren bekannt, dass Kornkreis-Phänomene immer wieder auftreten, vorwiegend in England, aber auch weltweit, so Anderhub. In Chroniken aus dem Mittelalter habe es geheissen, der Teufel sei im Korn gewesen und habe dort seine Nester hinterlassen. Das sei möglicherweise eine dem damaligen Zeitgeist entsprechende Deutung für etwas, das auch heute noch wie eine Botschaft aus einer andern Wirklichkeit anmute. Sprache des Universums Die Sprache des Universums sei die Mathematik und Geometrie, sagte Anderhub. Kreis, Dreieck und Viereck fänden sich schon in prähistorischen Höhlenzeichnungen. Die Aborigines, die Hopis und afrikanische Ureinwohner hätten analoge Zeichen. Anderhub erklärte ein paar davon, die immer wieder in Kornkreisen vorkommen; die liegende Acht, das Zeichen der Unendlichkeit, Symbol für Diesseits und Jenseits, die ineinander übergehen, das Quadrat als Zeichen für Materie, Dreieck für Geist, Elipse für Leben, Schöpfung und andere. Auffallend häufig sei die Zahl sechs oder sieben vertreten. Seit Anfang der achtziger Jahre habe es eher weniger Zeichen gegeben, dafür seien sie beeindruckender geworden.

Aus dem Tagblatt vom 09.12.1998 © St.Galler Tagblatt

Zeit der rätselhaften Kornkreise

Allein in Südengland sind in diesem Jahr über sechzig Kornkreis-Figuren aufgetaucht. Die Entstehung bleibt bis heute rätselhaft. Ein Augenschein im südenglischen Weiler Alton Barnes. Schemenhaft zunächst, dann immer deutlicher, schält sie sich aus dem Zwielicht der Morgendämmerung. Eine riesige geometrische Figur im taunassen Weizenfeld am gegenüberliegenden Hügel. Tim Carson traut seinen Augen kaum, als er kurz nach fünf die komplexe Formation entdeckt. Wieder ist es über Nacht geschehen, und wieder auf einem seiner Felder. Vor dem Farmer aus dem südenglischen Weiler Alton Barnes erstreckt sich in perfekter Geometrie ein vollendetes, ästhetisches Muster mit einem Durchmesser von über 120 Metern. Zwölf ineinander verschlungene Kreise bilden einen grösseren Kreis, welcher auf raffinierte Weise dreidimensional wirkt. Um sechs Uhr früh ist es in Alton Barnes vorbei mit der ländlichen Ruhe der Grafschaft Wiltshire. Kleinflugzeuge sind aufgestiegen und kreisen über dem Kreis im Korn. Erste Luftbilder werden in aller Eile entwickelt. Der Campingplatz gleicht einem Bienenhaus. Dort versammeln sich jeden Sommer Neugierige, Forscher, Esoteriker, welche dem rätselhaften Phänomen der «crop circles», der Kornkreise, auf die Spur kommen möchten. Bisher ohne Erfolg. Denn in der Region um Alton Barnes entstehen am meisten Kornkreise. Von Menschenhand? «Kornkreise sind nicht von Menschenhand gemacht», ist sich Tims Frau, Polly, sicher. Seit 1990 sind auf Carsons Feldern Jahr für Jahr eine oder mehrere Formationen aufgetaucht. Skeptiker behaupten deshalb immer wieder, gewisse Farmer würden selbst derartige Figuren in ihre Felder legen, um damit Schaulustigen und Piloten Geld für die Besichtigung der «crop circles» abzuknöpfen. Polly Carson wehrt sich: «Mein Mann würde doch nicht seine eigenen Felder niederwalzen.» Zudem liessen sich menschgemachte Figuren klar unterscheiden von echten Kornkreisen. «Fälschungen gab's auf unserem Land auch schon», ergänzt die Bäuerin. Biologisches Phänomen John Tobin, ein Rentner aus dem benachbarten Stanton St.Bernard, hat im Gegensatz zu den Carsons durchaus eine Erklärung für die Zeichen im Korn: «Im Sommer passiert hier draussen nicht viel. Also gehen junge Leute oder auch Bauern raus auf die Felder und treiben da allerhand Unfug, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zu ziehen und etwas Geld zu verdienen.» Wie auch immer: Merkwürdig ist, wie in den Formationen die Weizenhalme häufig auf eigenartige Weise waagrecht abgelegt sind, ohne zu brechen. Manchmal sind die Wachstumsknoten der Halme etwa zehn Zentimeter über dem Boden in die Waagrechte gebogen - biologisch unerklärlich. Das Getreide wächst trotzdem weiter und wird erntereif. Dass die Kornkreise rätselhafte Phänomene sind, ist bei der Mehrheit der lokalen Bevölkerung unbestritten. «Die Bauern haben schlicht keine Zeit, solche Dinge zu drehen», sagt eine Dorfbewohnerin. Schweizer «Kornkreisforscher» Werner Anderhub reist seit 1994 jede Saison in die Grafschaft Wiltshire, wo auch die bekannten Monumente Stonehenge oder Silbury Hill, Europas grösste Pyramide, stehen. «Viele der oft abstrusen Thesen der Skeptiker sind nicht ernst zu nehmen», sagt der Sekundarlehrer und «Kornkreisforscher». «Mich ziehen die Piktogramme einerseits an, weil sie schlicht wunderschön sind, und andererseits, weil sie aussersinnliche Wahrnehmungen ermöglichen.» Der Berner empfindet in Kornkreisformationen bisweilen ein Hautkribbeln oder leichte Schwindelgefühle. «Dann begibt man sich besser wieder aus der Formation hinaus.» Auch Lichterscheinungen und eigenartige Verhaltensweisen von Tieren will Anderhub in der Nähe von Formationen schon wiederholt beobachtet haben. Das Wetter, das weitere Wachstum der Pflanzen und ab Ende Juli die Erntezeit zerstören schliesslich die Kornkreise. Was bleibt sind intellektuelle Diskussionen und hitzige Debatten, ob die «crop circles» nun durch Ausserirdische, durch den Menschen, sich paarende Igel oder kreative Scherzbolde zustande kommen. Was bleibt, sind aber auch Erinnerungen und Bilder, die durch ihre Harmonie und Kraft weiterwirken. Wer sich in aller Ruhe darin versenkt, mag vielleicht den Schleier des Rätsels dereinst lüften. Hans Peter Roth

Aus dem Tagblatt vom 20.07.1999 © St.Galler Tagblatt