Kornkreise als Sprache des Kosmos?
Der Musical-Komponist
Andrew Lloyd Webber besitzt auch eine «97er-Formation»: In einem reifen Kornfeld
seiner Farm in Südengland zeigte sich 1997 eine Aussparung im Korn in Gestalt
eines fünf-armigen Rades. Vom Komponisten persönlich erhielt Werner Anderhub,
der Referent des Dia-Vortrags «Neues vom Kornkreis-Phänomen», die Erlaubnis,
die Formation zu untersuchen. Sie ist eine von vielen, die Donnerstag abend
im Katharinensaal einem grossen Publikum gezeigt wurden.
Kraftfeld mit Rand
Die sogenannten Kornkreise, geometrische Figuren zum Teil sehr komplexer Gestalt,
treten seit 25 Jahren vor allem in Südengland, aber auch in Indien und Südamerika
auf. Die Biegung der Halme erfolge gleichmässig und in einer bestimmten Höhe.
Die Lage der Halme sei, wie durch eine unsichtbare Kraft gehalten, nicht veränderbar.
Durch die Biegung der Halme, grundsätzlich am zweiten Wachstumsknoten, bleibe
die Nährstoffzufuhr erhalten. So entstehe den betroffenen Farmern kein nennenswerter
Verlust bei der Ernte. Die Kornkreise des letzten Jahres zeigten weniger von
der Form als von der Gestaltung der Ränder her eine neue Machart: Die Halme
an den Rändern lägen wie in Form «geföhnt». Auf die Kraftfelder, die von Kornkreisen
ausgingen, reagierten vor allem Hunde und Pferde. Sie wichen aus oder scheuten.
Die Kraft zeige sich Menschen - so der Referent - an spontan auftretenden Kopfschmerzen.
Kosmische Ameise
Insektogramme sind seit einiger Zeit ein die Kornkreis-Formen bestimmendes
Thema. Werner Anderhub zeigt die Luftaufnahme einer «Ameise». Sie hat nicht,
wie seit 380 Millionen Jahren üblich, drei, sondern vier Körpersegmente. Die
Beine sind an Segment zwei und drei plaziert: eine neue Spezies - oder hatte
das «Lichtbewusstsein» einen Blackout? Einen Körper - hier eine Ameise - in
die zweidimensionale Form eines Insektogramms zu übertragen, ist eine Leistung
menschlicher Wahrnehmung. Kein Wesen mit Ausnahme des Menschen überträgt eine
räumliche in eine zweidimensionale Form.
Kühn bis zum Wahn
Aber es ist «die zeitlose kosmische Sprache der Geometrie, die in die Felder
geschrieben ist» (Anderhub). Die 26 mal 30 Quadrate innerhalb eines «Quadrats»
in einem Kornkreis verbinden sich mühelos mit der Zeitrechnung der Maya, und
ein sternförmig unterteiltes Sechseck ebenso mühelos mit Leonardo da Vincis
Schema des menschlichen Körpers. Die kühnen Verknüpfungen scheinen in einen
Wahn hinüberzugehen. Welche Wirkung sollen gegenständliche Formen wie Insekten,
Skorpione und von Engeln hinterlassene Schlüssel auf die «innere Erfahrung geometrischen
Wissens» haben, wenn sie nur wenigen per Helikopter zugänglich sind?
Vage Botschaften
Die stets nächtens entstehenden Kornkreis-Phänomene entziehen sich (noch) einer
schlüssigen wissenschaftlichen Erklärung. Bis dahin liefern sie ein weites Feld
für Projektion, denen die real existierenden Religionen keine Heimstatt bieten.
Botschaften werden via Kornfeld erwartet, durch die wir «das Menschsein auf
der Erde besser verstehen lernen». Die Botschaften haben unverbindlich schöne,
zuweilen kitschige Formen. Christine Zimmermann
Aus dem Tagblatt vom 09.05.1998 © St.Galler Tagblatt