Publikations-Datum:
19990826
Neue Mittelland-Zeitung
Seite: 25a Extra
Beruf: Kornkreisforscher
Werner Anderhub hat
die Faszination zum Beruf gemacht Der Berner Werner Anderhub untersucht seit
1994 Kornkreise in Südengland. Mittlerweile hat der 40-Jährige seinen Beruf
als Lehrer aufgegeben und widmet sein Leben nur noch der Kornkreisforschung
und der Familie. Autor: Mit Werner Anderhub sprach Hans Peter Roth Sie bezeichnen
sich als Kornkreisforscher. Was muss man sich darunter vorstellen? Sommer für
Sommer versuche ich, möglichst frische Kornkreis-Formationen in Getreidefeldern
aufzuspüren. Nur in ganz frischen Formationen lassen sich Spuren sichern, die
Hinweise auf die Entstehung liefern. Da die Piktogramme vor allem in Südengland
auftauchen, gehe ich meiner Arbeit vor allem dort nach. Ich sehe meine Hauptarbeit
darin, das Phänomen einer breiteren Öffentlichkeit in Bild und Wort zu vermitteln.
Andere Forschende wiederum konzentrieren sich mehr auf analytische Untersuchungen.
Kontakte zu anderen Leuten, die sich mit den Kornkreisen beschäftigen, sind
mir sehr wichtig. Können Sie von der Arbeit leben? Ich bestreite mit Vorträgen,
Seminaren und Bildverkäufen das halbe Familienbudget, die andere Hälfte steuert
meine Frau bei. Die Hausarbeit teilen wir uns. Heuer waren Sie bereits zum sechsten
Mal in Südengland. Was fasziniert Sie an diesem Phänomen dermassen, dass Sie
deswegen sogar Ihren Beruf als Lehrer an den Nagel gehängt haben? Die weiterhin
offenen Fragen. Das ist der Forschungsanreiz. Die Kornkreise konfrontieren uns
mit grundlegend neuen Fragen, oder besser gesagt mit uralten Fragen des Lebens,
die nun wieder in unser Bewusstsein drängen. Dazu kommen persönliche Erlebnisse.
Können Sie ein Beispiel geben? 1994 beobachtete ich nächtens über einem Piktogramm
eine absolut unerklärliche Lichterscheinung. Dass ich mir dies in jener Nacht
nicht einbildete, bestätigten mir nebst meinem Begleiter andere Leute, die identische
Beobachtungen machten. Wie entstehen denn diese Piktogramme? Ich weiss es nicht.
Es gibt verschiedene Erklärungen. Jedenfalls bin ich mir zu 100 Prozent sicher,
dass sie nicht von Menschenhand gemacht sind. Amerikanische Forschungsreihen,
die seit 12 Jahren durchgeführt werden, belegen auch wissenschaftlich stichhaltig
Anomalien im Getreide, die nicht auftreten, wenn irgendein Scherzbold die Halme
niederwalzt. Jahr für Jahr gibt es jedoch Leute, die zeigen, dass man durchaus
Kreise in Kornfeldern konstruieren kann. Ja, aber völlig unzureichend. Meist
ist das Resultat erbärmlich. Noch nie haben Fälscher den Beweis angetreten,
dass sie in der nächtlichen Finsternis innerhalb weniger Stunden hochkomplexe,
präzise und aus Hunderten von einzelnen Elementen bestehende Formationen, wie
sie in den letzten Jahren aufgetaucht sind, legen können. Was könnte denn der
Zweck dieser Kornkreise sein? Dass wir unseren beschränkten Horizont erweitern.
Diese geometrischen Symbole sind eines von verschiedenen Phänomenen, welche
Löcher in unser beschränktes, einseitig auf die Materie ausgerichtetes Weltbild
reissen. Mit welche Eindrücken sind Sie diesen Sommer aus Südengland zurückgekehrt?
Mit zwiespältigen. Es sind heuer unglaublich viele Formationen aufgetaucht.
Allein in Südengland bisher rund 130. Darunter sehr viele wunderschöne. Es war
der reichhaltigste Sommer, den ich je erlebt habe. Hingegen betrübt mich, wie
sich die englische Presse mehrheitlich nach wie vor völlig unreflektiert und
einseitig über das Phänomen lustig macht. In der Schweiz ist man da viel offener.
Wie reagiert das Publikum auf Ihre Vorträge? Aufgeschlossen. Sehr selten erlebe
ich negative Reaktionen. Die meisten Leute sind bewegt und beeindruckt, allein
durch die schiere Schönheit dessen, was da vor sich geht. Ich erhalte auch viel
Post. Wo werden Sie im kommenden Sommer sein? Das lässt sich im Voraus nie so
genau sagen. Aber höchstwahrscheinlich wieder in Südengland. Diavortrag von
Werner Anderhub unter dem Titel «Kornkreise - Zeichen der Wandlung» am Donnerstag,
23. September, 19.30 Uhr im Landhaus Solothurn.
Werner Anderhub aus Bern ist professioneller Kornkreisforscher. Foto:
zvg